photoportage - Shooting Elia Vens

von Norbert Smuda (Kommentare: 0)

Als Warm Up für die Fotosaison 2013 kann man dieses Projekt nun wirklich nicht bezeichnen. Die im Januar herrschenden Minusgrade sorgten dafür, dass alle Beteiligten trotz eines extrem straffen Zeitplans nicht ins Schwitzen kamen. Fotos für ein Album mit dem Titel „Back to Bedlam“(zurück in die Irrenanstalt) zu erstellen, welche aus meiner Sicht keine Assoziation zu einem thematisch vergleichbaren Musikalbum eines deutschen Star Djs und Produzenten haben sollte, stellte die größte Herausforderung dar. Und da es zeitweise bestimmt raketenmäßig in so einer Irrenanstalt zugehen würde, war die Idee, Elia Vens auf den Mond zu schießen, schnell geboren und der Weltraumanzug noch schneller im Warenkorb eines Onlineanbieters für ALLtagskleidung verschwunden. Kurze Zeit später tauchte der Anzug mit der Post wieder auf und das Abenteuer konnte beginnen. An einem Freitagnachmittag, bei klirrender Kälte, fand der erste Teil des Shootings statt. Unter einer Brücke in Dortmund, welche ich als erste Location für das Shooting ausgesucht hatte, schlüpfte Elia Vens in seinen neuen hauchdünnen Weltraumdress und versuche trotz der extrem niedrigen Temperaturen seinen Künstler zu stehen und nicht zum Zitteraal zu werden. Selbst mir fiel es gut eingepackt bei den Temperaturen schwer, meine Fotoausrüstung auszupacken und aufzubauen. Gegen meine kalten Finger halfen mir meine neuen D∙A∙M Handschuhe. Diese praktischen Griffelstulpen haben es insich. Sie helfen gegen Kälte, spenden einen guten Halt der Kamera und die Fingerkuppen lassen sich ganz einfach umklappen. Dies ist dann besonders praktisch, wenn z.B. ein Finger für die Bedienung eines Touchscreens gebraucht wird.

Das Setup und das eingesetzte Equipment bei diesem ersten Shooting war minimal. Als Arbeitsgerät kam meine Canon Eos650d zum Einsatz. Mit im Gepäck das Tamron SP AF17-50mm F/2.8 XR Di II VC, welches mit seiner Lichtstärke von 2.8 der lichtschwachen Location entgegen kam, genauso wie das Canon EF50mm f/1.8 II. Ebenso mit dabei das extreme Weitwinkel von Sigma 8-16mm F4.5-5.6 DC, welches immer ein Garant für extreme Perspektiven ist und auch mal Platz schafft wo eigentlich keiner ist. Nicht fehlen darf mein Canon Speedlight 430EX II Blitz mit seinen ETTL-Qualitäten. Auch mit dabei das leichte und kompakte Manfrottostativ 724b, welches mir schon viele gute Dienste erwiesenhat. Gepimpt mit einem Schnellspanner, ist es aus meiner Sicht der perfekte Begleiter, wenn längere Verschlusszeiten benötigt werden oder die Kamera einen sicheren Standplatz braucht. Unverzichtbar bei den kalten Temperaturen - eine Picknickdecke. Ausgebreitet auf dem Boden und von einer Seite gegen Feuchtigkeit beschichtet, hilft sie einem zumindest kurzzeitig bei Minusgraden nicht die Lust an Aufnahmen aus bodennahen Perspektiven zu verlieren und dafür auch mal auf die Knie zu gehen. Zwar hat die Eos650d ein Klappdisplay mit an Board, jedoch fühlt sich der Blick durch den Sucher je nach Situation dann doch ab und an besser an.

„Back to Bedlam“ – na dann mal los! Als erstes Motiv solles per Anhalter durch die Galaxis gehen. Damit das Ziel auch jedem vorbeikommenden Spacetaxi auch klar ist, hat Elia ein Schild gebastelt. Mit diesem Accessoire im Gepäck sollte für Aufmerksamkeit gesorgt sein - das nicht jedes Spacetaxi sofort mit Begeisterung anhält, klar. Bei dem Motiv sollte Elia mit dem Schild gut zu erkennen und auch scharf abgebildet sein. Als dynamisches Element sollte ein Auto das Bild streifen und wortwörtlich für gleiches Sorgen. Die Schwierigkeit dabei war, dass für einen knackscharfen Elia bei schlechten Lichtverhältnissen eher kurze als lange Verschlusszeiten benötigt werden und für ein Auto mit einer gut erkennbaren Bewegungsunschärfe, eher lange als kurze Verschlusszeiten in Frage kommen. Somit bleiben nur zwei Möglichkeiten,entweder einen Kompromiss eingehen oder aus zwei Fotos mit Hilfe von Photoshop eins machen. Variante zwei kam für mich nicht in Frage also musste ein Kompromiss gefunden werden. Dieser sah wie folgt aus: Canon Eos650d + Tamron SPAF17-50mm F/2.8 XR Di II VC  auf Stativ, Belichtungsprogramm Manuell, offene Blende 2.8, ISO 800, Verschlusszeit  1/15s und 17mm Brennweite für eine weitwinklige Ansicht. Dazu der Blitz im ETTL- Modus, damit Elia auch wortwörtlich gut im Licht steht. Wichtig dabei war eine gute Mischung zwischen Hintergrundlicht und Blitzlicht. Somit habe ich zuerst ein Testfoto ohne Blitzlicht gemacht, dieses begutachtet um zu schauen, ob genug „vorhandenes“ Licht auf den Sensor trifft. Mir gefiel die Lichtstimmung beim Betrachten und somit habe ich nicht nachgeregelt. Im Anschluss daran wurde der Blitz eingeschaltet, in den ETTL-Modus versetzt und von der Kamera aus ausschräg gegen die Decke und einen Betonpfeiler gerichtet, sodass das Blitzlicht über den Pfeiler und ein Stückweit über die Decke gebounced in Richtung Elia traf. Auf dem Blitz befand sich ein handelsüblicher Kunststoff-Bouncer. Danach wurde ein weiteres Testfoto von einem vorbeifahrenden Auto gemacht. So wollte ich mir ein Bild von der Bewegungsunschärfebei 1/15 Sek. machen. Da 1/15 Sek. ausreichend zu sein schien, entschlossen wir uns es mit diesen Kameraeinstellungen zu versuchen und warteten auf die nächsten Autos, welche die nötige Dynamik ins Bild bringen sollten. Eine längere Belichtungzeit hätte zwar zu mehr Bewegungsunschärfe beim Auto geführt, jedoch hätte sich diese auch bei Elia widergespiegelt. Das wollte ich natürlich aufgrund der Ausgangsbasis nicht und somit waren die Einstellungen für diese Situation gesetzt. Einige Autos später war es dann im Kasten:

ELIA VENS - BACK TO BEDLAM / F.T.W. Recordingz / Sony/ATV music publishing GmbH / ab 7. Juni 2013 im Handel erhältlich

Das Titelbild war nun geschafft und somit blieb noch ein wenig Zeit zum Experimentieren.  Somit ging es direkt an die Einstellungen der Kamera - ISO runter und Blende weit geschlossen, sodass sich die Belichtungszeit entsprechend verlängerte und man mit dem Finger am Auslöser auf das nächste Auto warten konnte, welches für eine durchgängige Bewegungsunschärfe sorgen sollte. Das nächste Auto kam - hier das Ergebnis, welches ebenfalls im Booklet eine Verwendung fand.

Aufgenommen mit f / 29 / 50mm / ISO 400 / 10 Sek.

Natürlich haben wir auch darüber hinaus auch noch nach spannenden Perspektiven gesucht, wobei unter anderem diese Fotos hier entstanden sind:

f / 2,8 / 17mm / ISO 400 / 1/13 Sek.

f / 1,8 / 50mm / ISO 400 / 1/60 Sek.

Eine paar Tage später fand der zweite Teil des Fotoshootings in der DASA in Dortmund statt. Nachdem alle Formalien für unser Vorhaben am Eingang geklärt und schriftlich festgehalten wurden, konnte es direkt losgehen. Mit im Gepäck diesmal auch das handliche 5001b ManfrottoStativ und die Lastolite Ezybox Softbox 60x60, welche zusammen mit dem Canon430EX II Blitz bei portraitartigen Bildern zum Einsatz kommen sollten. Hier nun ein paar weitere Outtakes dieser besonderen Fotosession:

f / 3,2 / 18mm / ISO 400 / 1/50 Sek.
f / 2,8 / 17mm / ISO 400 / 1/50 Sek.

Wie man eindeutig an den bisherigen Fotos erkennen kann, steht die „Reise“  bei „Back to Bedlam“ im Vordergrund. Eine bildliche Assoziation zu einer Klinik wollten wir beim Shooting vermeiden. Beim anschließenden Artwork sollte dieser Bereich ebenfalls keine Rolle spielen.

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